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Nichts Großes ist jemals ohne Leidenschaft entstanden. (Georg Friedrich Wilhelm Hegel)
Eine lange Wintersportsaison geht zu Ende. Die allerletzten Veranstaltungen stehen in einer Woche an. Während einige Sportler über sich hinausgewachsen sind, Großartiges geleistet und Erfolge eingefahren haben, die sie sich zu Beginn der Saison gar nicht erst erträumt hatten, verabschieden sich andere Sportler wie am Boden zerstört von einer Saison, die unter ihren Erwartungen ausgefallen ist. Warum ist das so und was unterscheidet die einen von den anderen?
Auffallend ist, dass die Erfolgreichsten unter ihnen im Wettkampf keinen Gedanken an die Erwartungshaltung verschwenden, sondern sich der Herausforderung mit Freude und Leidenschaft stellen. Sie können es kaum erwarten, auf die Piste zu gehen, ihren Körper zu spüren und sich in der Bewegung auszudrücken. Ihr Tun ist angefeuert von einem Gefühl der Freude. Sie wollen Spaß haben und dadurch wird in ihnen ein Feuer entfacht, das aus ihnen Höchstleistungen hervorholt. Sie vergleichen sich nicht mit anderen, sondern lieben es, von diesem inneren Feuer, dieser aus ihnen hervorkommenden Energie angetrieben zu werden.
Leidenschaft ist ein Gefühl, das uns sagt, dass das, was wir tun, richtig ist, dass uns nichts aufhalten kann, um entsprechend zu handeln. Wir handeln sogar, wenn unser Umfeld völlig dagegen ist, weil wir für uns wissen, dass uns das, was wir tun, gut tut und mit unserem Wesen in Einklang ist. Dieses Gefühl ist so stark, dass es nicht ignoriert werden kann. Wenn wir ihm folgen, erfahren wir Glücksmomente, wenn wir ihm nicht folgen, zerstören wir etwas in uns selbst, indem wir die Verbindung zu unserem wahren Selbst drosseln. Folge ich diesem Gefühl aber, komme ich in einen Zustand der freudigen Erregung, das Leben wird lebenswert, es macht Sinn, es macht Freude.
Aus diesem Gefühl der Leidenschaft entsteht Enthusiasmus, der Wille, für Ziele einzutreten, sie zu verwirklichen, mit Freude und Begeisterung daran zu arbeiten, indem ich mich von diesem inneren Feuer treiben lasse.
Seiner Herkunft nach bedeutet das Wort "Enthusiasmus" eine Art göttliche Eingebung, eine Inspiration, die aus der Gegenwart Gottes entstammt. Im alten Griechenland verstand man darunter eine "Besessenheit durch Gott", Madame de Staël schreibt 1810, dass Enthusiasmus "Gott in uns" bedeute. Im Alten Testament wird "Gott fühlen" als Synonym von "Sich-gut-Fühlen" gesehen. Das bedeutet, dass wir, wenn sich etwas gut anfühlt, sozusagen Gott in uns fühlen, von einer höheren, positiven Energie getragen sind, die uns immer wieder antreibt und anfeuert, das Beste zu geben, noch mehr aus uns herauszuholen, im Sinne unserer Begabungen und Talente zu handeln. Wenn wir diese Energie in uns anzapfen, fühlen wir uns lebendig, wir spüren uns getragen, indem wir uns durch die Aktion verwirklichen. Wir sind wir selbst, geben uns diesem Zauber hin und freuen uns, diese innere Energie nach außen zu tragen.
Dasselbe gilt natürlich für alle anderen Aufgaben und Tätigkeiten auch. Je mehr Leidenschaft ich für mein Tun empfinde, desto mehr verbinde ich mich mit den inneren Energien, die in jedem von uns stecken. Jedes Mal, wenn ich handle und es mir dabei gut geht, spüre ich, wie die Ideen nur so aus mir heraussprudeln. Nehme ich diese Ideen ernst und erkenne ich, dass diese Ideen aus meinem Inneren der Ausdruck meiner ganz persönlichen Einzigartigkeit sind, dann fühle ich mich gut, angespornt weiterzumachen und erkenne, dass ich mich nicht mehr von meinem Ego treiben lasse, sondern von dieser inneren Kraft, die der Ausdruck meines wahren Ichs sind.
Daher gilt es, dieses innere Feuer immer wieder zu füttern, Holz nachzulegen, damit es nicht eingeht. Wenn ich mich zu sehr vom Geräusch um mich herum irritieren und beeinflussen lasse, dann stirbt das Feuer langsam, aber sicher ab, und die Freude an meiner Tätigkeit geht verloren. Wenn ich mir die Erwartungshaltung von außen zur Last werden lasse, dann fühlt sich mein Tun nicht mehr gut an, dann tut es weh, mich beispielsweise wieder den Hang hinunterzustürzen, weil ich die Augen der anderen als kritische Augen wahrnehme, die mich kontrollieren wollen und mit mir eventuell am Ende nicht zufrieden sein könnten. Daraus entsteht Angst und Zweifel beginnen, an meinem Selbst zu nagen. Die Motivation stirbt und das verlorene Vertrauen mündet in schlechten Leistungen. Das Schlimmste daran ist aber, dass ich mich nicht mehr wohl fühle, dass ich sozusagen "Gott", d. h. die kreative Kraft in mir ausgelöscht habe. Die Erwartungshaltung der anderen ist zu meiner Erwartungshaltung geworden und hat den Kanal zu meiner inneren Quelle der endlosen Energie abgetrennt.
Nur indem ich die Leidenschaft für das, was ich tue, wiederentdecke, kann ich diesen Kanal wieder langsam öffnen und den Zugang zu meiner unsterblichen Energiequelle in meinem Inneren frei schaufeln.
Wie kann ich das machen?
Stellen Sie sich immer die Frage, wie sich das, was Sie tun, anfühlt! Fühlt es sich gut an, wenn Sie sich über die Sprungschanze hinunterstürzen? Blenden Sie dabei die Kommentare der anderen aus und beantworten Sie diese Frage, indem Sie das Gefühl ergründen, das Sie empfinden, wenn Sie Ihren Sport/Ihre Tätigkeit für sich alleine ausüben.
Ich gehe zum Beispiel für mein Leben gerne auf den Berg. Niemand kann mich davon abhalten! Natürlich wäge ich zuerst ab, ob mein Ziel objektive Gefahrenquellen aufweist. Wenn ja, dann verhalte ich mich entsprechend. Wenn nein, nehme ich mir mein Ziel vor, unabhängig davon, ob andere Menschen mich umstimmen möchten oder nicht. Das Bergsteigen begeistert mich und fördert Energien zu Tage, die mir dann auch beruflich von Nutzen sind. In dieser meditativen Bewegungsabfolge sprudeln sehr häufig Ideen aus meinem Innern, die ich sofort aufschreibe, damit ich sie nicht vergesse. Daher nehme ich immer Papier und Schreibutensilien mit, damit ich bereit bin, die Botschaften aus meinem Innern aufzufangen, um sie dann möglichst umzusetzen.
Im Vordergrund steht also nicht das Ergebnis, sondern der Prozess. Dadurch befreie ich mich von einer mich einschränkenden Erwartungshaltung, indem ich dem Prozess vertraue und mich dem Fluss des Lebens hingebe. Hat es denn Sinn, sich von einer unnötigen Erwartungshaltung verunsichern zu lassen oder ist es nicht vielmehr sinnvoller, sich im Vertrauen mit Enthusiasmus dem Leben zu verschreiben?
Halten Sie also dieses kleine Feuer in sich immer aufrecht! Gehen Sie jede Tätigkeit, jede Aufgabe mit einer Einstellung der Freude an! Haben Sie Spaß an dem, was Sie tun, denn aus diesem Enthusiasmus wird Großes entstehen!