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←    Kann man es lernen, glücklich zu sein?

Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, dann gewinne in der Lotterie! Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, dann liebe das, was du tust! (Unbekannt)

Wenn man den Studien Glauben schenkt, so sind die Menschen in Nigeria die glücklichsten Menschen auf der Welt, in einem Land also, in dem die Einwohner im Durchschnitt nur wenig oder gar nichts besitzen. Was diese Menschen anscheinend so glücklich macht, ist der Umstand, dass sie sich nicht so sehr in die Zukunft projizieren, sondern den Augenblick genießen, indem sie in dem aufgehen, was sie gerade machen. Sie lachen viel, tanzen viel, pflegen die Gemeinschaft, erzählen sich Geschichten und befinden sich sozusagen in einem "Flow-Zustand". Sie tauchen in das Leben ein und machen das Beste aus der Situation, in der sie sich befinden. Sie stecken ihre Mitmenschen mit ihrer Fröhlichkeit regelrecht an, so dass eine positive Stimmung entsteht.

Aus einer US-Langzeitstudie, die von James Fowler der University of California und Nicholas Christakis von der Harvard Medical School im Zeitraum von 1983 bis 2003 an 4.739 Personen durchgeführt wurde, geht hervor, dass Glück sozusagen wie eine Krankheit ansteckend ist, dass also Menschen glücklich sind, wenn sie sich in einem Umfeld mit glücklichen Menschen befinden. Das bedeutet, dass ein glücklicher Mensch das subjektive Glücksempfinden anderer beeinflussen kann und vor allen Dingen, dass ich es lernen kann, glücklich zu sein.

Das Geheimnis, glücklich zu sein bzw. glücklich zu werden liegt nach Ansicht von Matthieu Ricard, einem 63jährigen Franzosen, der sich im Alter von 26 Jahren auf eine "Selbsterkenntnis-Suche" in den Himalaja gemacht hat, dort zum Buddhismus konvertiert und seit Jahrzehnten einer der Ratgeber des Dalai Lama ist, darin, das, was man tut, mit Liebe zu machen und an dieser Grundeinstellung täglich zu arbeiten. Sozusagen ist es eine Angelegenheit der täglichen Disziplin, der täglichen Entscheidung, sich auf das Gute zu konzentrieren, und sich darauf zu besinnen, welchen Stellenwert unser Denken und unser Verhalten für uns selbst und unsere Umwelt hat. So wie wir uns selbst dazu erziehen können, zufrieden und positiv zu sein, so können wir diese Art von Erziehung an unsere Kinder weitergeben, und zwar indem wir unsere Kinder in einem Umfeld der Liebe, der Anerkennung, der Zuneigung und der Motivation aufwachsen lassen, in der sie erfahren, dass sie so, wie sie sind, in Ordnung sind und dass sie, wenn sie an sich arbeiten, mit Freude und Neugierde die Welt entdecken können. Die mit Neugierde ausgerichtete Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt ermöglicht den Kindern und Jugendlichen neue Lernerfahrungen zu machen, die sie in ihrer Persönlichkeit stärken.

Sie erleben, dass Lernen also Freude macht, dass Lernen anspornt, weiterzuarbeiten und den lernenden Menschen in einen Zustand des Fließens, des Aufgesaugt-Seins, des völlig in der Aufgabe-aufgehen-Wollens, des Stimmig-Seins mit sich selbst und seiner Umwelt versetzt. Menschen, die solche Erlebnisse kennen, sprechen von himmlischen Momenten, von Glücksmomenten, von einer fast spirituellen Erfahrung, die wie ein Verschmelzen mit dem Ganzen wahrgenommen wird. Es ist ein Gefühl der Selbstvergessenheit, in der man sich mit der Aufgabe, die man gerade ausübt, identifiziert, sozusagen mit ihr verschmilzt und darin aufgeht. Dieser Zustand macht den Moment der Gegenwart erfreulicher, weil er das Selbstvertrauen stärkt. Durch Flow-Erfahrungen lernen wir, mehr wir selbst zu werden, weil wir frei und um der Sache selbst willen handeln und nicht aus niedrigen Beweggründen.

Wenn ich das, was ich tue, also gerne tue, dann sehe ich in meiner Tätigkeit nicht mehr ein notwendiges Übel, sondern den Ausdruck meiner selbst, meiner Lebensaufgabe. Die Arbeit erhält damit eine andere Valenz: Sie ist nicht notwendiges Übel, um am Ende des Monats das nötige Geld einzufahren, sondern gibt mir vor allen Dingen die Möglichkeit, meine Lebensaufgabe zu erfüllen, im Dienste meiner selbst und im Dienste der Gesellschaft. Diese Einstellung bringt mich auf neue Wege, da der Fokus von der Last der Pflicht auf die Lust des Tätigseins gelenkt wird, in der ich nicht verzweifelt darauf warte, endlich Feierabend zu haben oder den Ruhestand herbeisehne, sondern in der ich immer wieder nach neuen Wegen suche, mich auszudrücken und mich lebendig zu fühlen.

Diese Einstellung kommt, wie Matthieu Ricard sagt, aber nicht von alleine, es ist harte Arbeit. Obwohl jeder Mensch Fähigkeiten hat und glücklich sein könnte, gelingt es nur jenen, die hart an sich arbeiten, im Bewusstsein, dass von alleine nichts erreichbar ist. An Fähigkeiten zu arbeiten bedeutet also auch, harte Arbeit in Kauf zu nehmen, die unter Umständen die eigene Schmerzgrenze zu übertreffen scheint. Extremleistungen wie die Solo-Besteigung des Mount Everest von Reinhold Messner, wohl dem berühmtesten Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit, sind dafür ein Beispiel. Durch seine Expeditionen und Projekte, die er mit Freude und Begeisterung angeht, wird er Vorbild für sich selbst und für andere, indem er durch seinen einzigartigen eisernen Willen über sich hinauswächst und physisch wie psychisch an die Grenzen menschlicher Belastbarkeit stößt. Dieser eiserne Wille, für den sich ein Mensch persönlich entscheidet, dient als positive Antriebskraft. Er ist Voraussetzung, um den eigenen Talenten zum Durchbruch zu verhelfen und sich an ihnen zu erfreuen.

Was kann ich also tun, um glücklich zu sein?

Die wichtigste Voraussetzung, um glücklich zu sein, liegt demnach in erster Linie darin, an mir selbst und an meiner Einstellung zu arbeiten. Das Glück ist nämlich nicht eine Abfolge von glücklichen Ereignissen, es ist vielmehr ein Seinszustand der Liebe, der Zuneigung, der neugierigen Auseinandersetzung, die mir als Grundausstattung dient, um mit allen Herausforderungen des Lebens zurecht zu kommen. Der Weg dorthin führt über die Selbstdisziplin unserer Emotionen, indem wir sie bewusst betrachten und uns von jenen Mustern verabschieden, die uns zum Opfer machen und stattdessen in die Fußstapfen des Gestalters steigen, der sich mit Freude den Aufgaben widmet, die er im Hier und Jetzt erledigen kann, darf bzw. will.

Das bedeutet, dass das Glücklich-Sein erlernbar ist, wenn wir täglich dafür arbeiten, indem wir das, was wir tun, mit Freude und Liebe tun.

Einige praktische Ideen, sich in eine Schwingung des Glücklich-Seins zu begeben:

 

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