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←    Der Glaube an die eigene Kraft kann Berge versetzen

Denke an all die Schönheit, die dich noch umgibt, und sei glücklich! (Anne Frank)

Wir alle kennen Anne Frank, ein jüdisches Mädchen, das zwei Jahre lang mit seiner Familie in einem Versteck in Amsterdam lebte, um sich vor der Verhaftung und Deportation des NS-Regimes zu bewahren. In dieser Zeit schrieb Anne ihr Tagebuch, das weltweit zu einem der meist gelesenen Bücher wurde.

Das besonders Auffallende am Inhalt ihres Tagebuchs war/ist, dass trotz der widrigen bzw. lebensbedrohenden Verhältnisse die Hoffnung und das Vertrauen im Vordergrund stand, besonders deswegen, weil sich die Autorin auf das Schöne, das sie umgab, konzentrierte. Daraus schöpfte sie für sich selbst Energie und konnte mit ihrer Positivität auch ihren Familienmitgliedern in einer Lebenssituation, die viele Menschen zur Verzweiflung brachte, Lebensmut machen.

Diese Haltung konnte sie über ihren Tod hinaustragen, indem sie für viele Menschen zum Vorbild wurde und noch heute eine Signalwirkung hat. Ihre Haltung, dem Schönen die Aufmerksamkeit zu schenken und daraus Kraft zu holen, ist ein Beweis dafür, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Schönen und den guten Dingen im Leben lohnt, weil dadurch mehr Lebensqualität erreicht wird, indem es dem Menschen psychisch und physisch besser geht.

Bruce Lipton (ein international anerkannter Zellbiologe, der durch sein Buch "Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern") hat diesen Aspekt sogar auf Zellniveau untersucht. Er hat herausgefunden, dass sich alle 50 Milliarden der menschlichen Zellen je nach Umfeld entweder positiv oder negativ entwickeln können. Sind sie einem positiven Umfeld ausgesetzt, dann unterstützen sie sich gegenseitig und entwickeln sich zu gesunden, leistungsfähigen Zellen, die miteinander kooperieren und den Körper gesund halten. So helfen sozusagen leistungsfähigere Zellen weniger leistungsfähigen und sorgen dafür, dass alle Zellen noch leistungsfähiger werden.

Den Auslöser für seine Untersuchungen erhielt er durch einen Lehrauftrag an der medizinischen Fakultät einer Universität auf einer Karibikinsel. Er begann seine Unterrichtstätigkeit erst einige Wochen nach Beginn des akademischen Jahres. Seine Studenten waren vorwiegend Studenten, die es nicht auf eine amerikanische Universität geschafft (weil sie nicht das nötige Resultat im Eingangstest erzielt hatten) bzw. die erst nach einer längeren Arbeitserfahrung in anderen Berufszweigen das Studium begonnen hatten. Es handelte sich also um Studenten, deren Leistung weit unter dem amerikanischen Durchschnitt war. In seiner ersten Vorlesung ließ er seine Studenten einen Test ablegen, um das bereits vorhandene Wissensniveau festzustellen. Dort stellte sich heraus, dass sogar die Grundkenntnisse fehlten und dementsprechend alle Inhalte neu vermittelt werden mussten.

Da Lipton grundsätzlich davon überzeugt war/ist, dass jeder Mensch, wenn er wollte, Großartiges erreichen konnte, wenn er an das Gute in sich und an das Potential, das ihm der Austausch mit der Gruppe und mit dem Professor bot, glaubte, nahm er diese Herausforderung an. Er motivierte die Studenten, indem er ihnen klar sagte, dass es von ihnen und von ihm zwar viel Einsatz abverlangte, die große Lücke aufzuholen, um am Ende ein gutes Resultat zu erreichen, dass es aber möglich war, weil er an sie glaubte, von ihren Talenten überzeugt war und sie dabei unterstützen würde, gemeinsam an ihrem Ziel, das Medizinstudium erfolgreich abzuschließen, zu arbeiten.

Für ihren Einsatz und ihre Bereitschaft zusammenzuarbeiten, lobte er seine Studenten regelmäßig, er baute sie auf und half ihnen dadurch, das Schöne und Gute in ihnen zu erkennen, und angefeuert davon, nach mehr Leistung zu dürsten. Begabtere Studenten trafen sich mit leistungsschwächeren Studenten in Lerngruppen und beide Gruppen profitierten voneinander. Dies wirkte sich zuletzt auch auf ihre Leistungen aus, die im Abschlussexamen interessanterweise das gleiche Niveau der Studenten an Elite-Universitäten erreichten. Daraus folgte, dass die Freude am Lernen zusehends anstieg und damit einhergehend auch das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen der Studenten eine neue positive Dimension erlangte.

Ähnliche Erfahrungen konnte auch ich persönlich machen. In meiner Zeit als Deutschlektorin an einer italienischen Universität hatte ich es immer wieder mit Studenten zu tun, die selbst im letzten Studienjahr nicht mit Überzeugung an ihr Studium herangingen und eigentlich nicht wussten, warum sie gerade dieses Studium gewählt hatten. Entsprechend waren die Leistungen jener Studenten sehr schwach.

Zu Beginn des akademischen Jahres machte ich ihnen sofort klar, davon überzeugt zu sein, dass jeder Student fähig sei, gute Ergebnisse einzufahren, wenn er denn auch etwas dafür tut. Ich sagte ihnen, dass ich an sie glauben und ihnen zumuten würde, aus schwachen Leistungen starke zu machen. Ich forderte sie auf, sich individuell nach ihren Interessen zu entwickeln und gleichzeitig auch in der Gruppe eine Chance zu sehen, sich neu und positiv zu definieren. Durch diese neue Herangehensweise

Sich auf das Schöne zu konzentrieren, wie es Anne Frank in ihrem Zitat zum Ausdruck bringt, bedeutet eben auch, zu erkennen, dass das Schöne in einem selbst schon angelegt ist. Das ist sozusagen die Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben. Je mehr wir es uns zur Gewohnheit machen, das Schöne zu erkennen, desto mehr erkennen wir auch die großen Möglichkeiten, die uns das Leben bietet.

Es hat mich sehr gerührt, vor kurzem von einer Ex-Studentin unter anderen folgende Worte zugeschickt bekommen zu haben: "...Auf einer Geburstagskarte war dieser Satz geschrieben: 'Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft'. Ich habe sofort an Sie gedacht. Danke für alles, was Sie mit uns (Ihren Studenten) gemacht haben!"

In diesem Sinne denken Sie, wie Anne Frank, an das Schöne, das Sie umgibt und vor allen Dingen glauben Sie an das Schöne, das in Ihrer Persönlichkeit bereits angelegt ist und bringen Sie es zur Entfaltung!

 

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