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Das Leben gehört den Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. (Johann Wolfgang von Goethe)
Was bedeutet Leben eigentlich? So wie ich es verstehe, bedeutet Leben lebendig sein, neugierig sein, offen sein für das, was das Leben uns bietet. Das Leben lädt den Menschen ein, sich auf es einzulassen, sich dem Spiel neuer Erfahrungen hinzugeben.
Beobachtet man die menschliche Natur des Kindes, stellt man fest, wie aufmerksam, konzentriert und unternehmungslustig es sich aus seinem gewohnten Umfeld hinausbewegt und sich ganz selbstverständlich neugierig auf Entdeckungsreise begibt. Seine „Begierde“ nach Neuem, nach dem Unbekannten ist so groß, dass es unter Umständen frustriert um sich schlägt, wenn ihm diese Lernerfahrungen vorenthalten werden sollten. Jede Lernerfahrung konfrontiert das Kind mit einer möglichen Veränderung des bisher Gewohnten. Diese Auseinandersetzung zwischen Altem und Neuem eröffnet dem Kind neue Perspektiven, neue Möglichkeiten, sich entfalten und sich neu erfahren zu können.
Insofern gehört die Veränderung unbedingt zum Leben dazu; nur durch das Sich-Einlassen auf die Überraschungen, die uns das Leben bietet, fühlen wir uns lebendig. Diese Lebendigkeit erfüllt uns mit Lust auf mehr; es ist, als entwickelte man sich stets aufs Neue über sich selbst hinaus, indem man sich unaufhörlich neu entdeckt.
Die Auseinandersetzung mit dem, was neu und anders ist, hilft mir nicht nur, meinen Horizont zu erweitern, sondern mich in meiner Einzigartigkeit zu festigen, indem ich mich ohne Ängste und Zweifel auf das Spiel des Lebens einlasse. Veränderungen machen mir keine Angst mehr, im Gegenteil, denn ich sehe in ihnen die Möglichkeit, zu mir selbst zu finden. Sie ermöglichen es mir, Grenzen zu überschreiten und mich auf Neuland zu begeben. Das Vertrauen in mich selbst und in die großen Herausforderungen des Lebens stärken nicht nur mein Selbstwertgefühl, sondern gleichzeitig auch die Bereitschaft, durch die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten Neues zu entwickeln, kreativ zu sein.
Die Kreativität ist die Quelle unseres schöpferischen Potentials; es ist ganz so wie beim Kind, sobald ich mich in einer Situation befinde, die ich nicht kenne, verbinde ich mich mit meiner kreativen Quelle, die mich geistig, mental und seelisch zum richtigen Handeln anleitet. Je mehr ich sie nutze, von ihr Gebrauch mache und ihr vertraue, desto gelassener gehe ich mit den Veränderungen in meinem Leben um; vielleicht freue ich mich sogar darauf, weil ich meinen Alltag bewusst nicht mehr als etwas Repetitives wahrnehme, sondern als Terrain für neue Impulse.
Die Kreativität kennt kein Alter. Es ist ohne Zweifel wünschenswert, dass ein Mensch von klein auf den für die vollständige Entwicklung der eigenen Kreativität nötigen Nährboden (im Elternhaus, in der Schule, in der Gesellschaft, bei Freunden, auf dem Arbeitsplatz), vorfindet, denn, sobald sich ein Mensch kreativ ausdrücken kann, empfindet er Freude, ja sogar Leidenschaft für sein Handeln (denken wir an den Pianisten, an den Bergsteiger, an den Segler, an den Unternehmer, kurzum an jene Menschen, die ihr Handeln und ihr Tun unter den Stern der Leidenschaft und der Kreativität stellen). Diese Leidenschaft versetzt ihn in einen Flowzustand, in dem alle Handlungen von intrinsischer Motivation getragen werden. Der Idealzustand menschlichen Seins!
Das Fremde und Unbekannte mit Ehrfurcht in das Bekannte einfließen zu lassen ist demnach eine Lebenseinstellung der Offenheit, der Toleranz, der Lernbereitschaft und des Aufeinander-Zugehens. Als solche ist die Veränderung nicht nur ein notwendiges Übel, sondern Voraussetzung für ein lebendiges und erfülltes Leben in Johann Wolfgang von Goethes Sinne. Sich bewusst auf die Veränderung einzulassen ist demnach eine Chance und eine immense Bereicherung.