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Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean. (Isaac Newton)
Jeder Mensch, der Freude daran empfindet, immer wieder Neues auszuprobieren, Neues dazuzulernen, sich neuen Situationen auszusetzen, erfährt, wie wenig er an sich weiß und wie unerschöpflich das Wissen ist. Je weiter man vordringt, desto mehr Perspektiven tun sich auf, desto mehr Wege präsentieren sich, desto größer scheint das noch anzueignende Wissen oder die sich anzueignenden Kompetenzen zu sein.
Kaum hat man eine Aufgabe gemeistert, will man sich unersättlich weiterentwickeln; es ist ganz so, als fühle man, dass man noch nicht angekommen sei, dass es irgendwie wieder etwas Neues geben müsse. Ganz unabhängig davon, ob es sich darum handelt, ein neues Musikstück einzustudieren, ein neues Land zu entdecken, einen Berg zu besteigen oder eine neue Sprache zu erlernen; in dem Moment, in dem man das neue Musikstück erlernt, ein neues Land entdeckt, einen bestimmten Berg bestiegen, eine neue Sprache erlernt hat..., sucht der wissenshungrige und neugierige Mensch nach neuen Herausforderungen.
Denn er erfährt, dass das, was er weiß und kann, ganz leicht abzurufen und leicht zu erledigen ist; er muss sich nicht mehr anstrengen, er muss nicht mehr lange nachdenken, denn es ist nichts mehr Neues. Nur indem er sich fordert, hat er das Gefühl, sich weiterzuentwickeln und der eigenen Natur gerecht zu werden.
Warum ist das so?
Mit Sicherheit ist es so, weil das menschliche Gehirn sozusagen nie schläft und besonders dann angeregt wird, wenn es mit neuen Inhalten gefüttert wird. Täglich ausgeführte Rituale verlangen vom Gehirn nämlich keine Höchstleistung mehr ab, da nur häufig genutzte Nervenbahnen aktiviert werden. Durch das Erlernen neuer Inhalte und durch neue Lebenserfahrungen werden hingegen im Gehirn neue Vernetzungen geschaffen, und je öfter man neu Erlerntes anwendet, umso besser arbeiten diese neuen Gehirnbahnen. Die Leistungsfähigkeit wird gesteigert, der Mensch bleibt geistig rege und nutzt somit sein geistiges Potential in gesteigertem Ausmaß.
Das Schöne dabei ist, dass sich der Mensch dadurch lebendig fühlt, dass er erkennt, dass dem Lernen keine Grenzen gesetzt sind und dass sich nach dem Erlernen eines neuen Inhaltes oder einer neuen Kompetenz neue Wege auftun, die inspirieren, motivieren und die Lust auf Neues steigern.
Die großen Errungenschaften und Entdeckungen wurden und werden nach wie vor von jenen Menschen gemacht, die sich diesem Wissensdurst verschrieben haben bzw. verschreiben, weil sie von der Erkenntnis getragen sind, dass jede neue Entdeckung und jede neue Erfindung nur einen Tropfen im Ozean des Wissens darstellt, und dieses Wissen sozusagen unendliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Das Wissen darum, nur einen Tropfen von dem zu wissen, was uns zur Verfügung steht, hat mehrere Vorteile:
1. Die Erkenntnis, dass das Lernen nie aufhört, dass jeder Tag die Möglichkeit bietet, über seine Grenzen hinauszuwachsen. Dadurch erhält das Lernen eine neue Dimension; es ist nicht (mehr) auf Schule begrenzt, sondern wird ein fester Bestandteil des Lebens. Die Freude am lebenslangen Lernen hält den Menschen aktiv, lebendig und geistig rege und ist die beste Prävention, so genannten Alterskrankheiten vorzubeugen.
2. Die Erkenntnis, dass man niemals ausgelernt hat, macht bescheiden. Je mehr ein Mensch entdeckt und erforscht, desto bewusster wird ihm, wie wenig er eigentlich weiß, so dass er viel mehr Ehrfurcht für die Leistungen und Kompetenzen anderer empfindet. Dabei bedeutet bescheiden sein nicht, sich minderwertig zu fühlen, sondern einfach die eigenen Grenzen zu erkennen und zu verstehen, dass die Welt nicht bei einem selbst aufhört, dass sie viel größer ist und dass jeder von uns nur ein Teil eines großen Ganzen ist; aber eben ein wichtiger Teil eines Ganzen, in dem jeder Einzelne eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat.
3. Die Erkenntnis, dass durch die Bündelung des eigenen Wissens mit jenem anderer Menschen noch mehr erreicht werden kann. Durch den Austausch von Wissen, die Auseinandersetzung mit dem Wissen und Denken anderer Menschen kann das individuelle Denken und Wissen angereichert und der Weitblick erweitert werden, so dass dies ein intellektuelles, psychisches und mentales Wachstum zur Folge hat. Schauen wir uns die Realität von erfolgreichen Unternehmen bzw. Projekten an, so erkennt man, dass diese besonders dann vorbildlich funktionieren, wenn sie aus Einzelkämpfern bestehen, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Expertise der Gruppe zur Verfügung zu stellen.
Der weltbekannte Cirque Soleil aus Kanada ist ein gutes Beispiel für diese Individualität im Team. Es zählt zwar jeder einzelne Künstler, aber erst durch die Gruppe nimmt das Ganze besondere Konturen an. Die Individualität des Einzelnen ist die Grundlage dafür, die Idee und den Traum der Gruppe in die Tat umzusetzen. Das Wissen und die Kompetenz des Einzelnen sind die Basis, etwas Neues und Faszinierendes zu schaffen, das eine neue Form und Dimension annimmt, die der Einzelne allein, selbst wenn er unübertrefflich wäre, nicht erreichen könnte. Insofern schließt Individualität Kollektivität nicht aus und über die Kollektivität kann das Individuum seine Individualität finden.
Daher ist jeder Tropfen notwendig, um den Ozean zu füllen. Durch die Vernetzung der einzelnen "Tropfen" schaffen wir die Grundlage für Neues, so dass der Wissensdurst nie zum Stillstand kommt, damit unser aller Leben die nötige Würze beibehält.
Dr. Martina Holzer Geromin ist Coach und Erziehungsberaterin, Mitbegründerin von www.trans4mind.de und bietet neben Einzelberatungen auch sämtliche Workshops an (siehe www.be-you-unique.com).