be you - unique
Highly personalized and solution-oriented coaching. Personal develop-
ment. Career development. Proven strategies for success and growth.
Zeit ist wertvoller als Geld. Du kannst mehr Geld besitzen, aber du kannst nie mehr Zeit haben. (Jim Rohn)
Zeit zu haben, scheint in unserer Gesellschaft etwas schier Unmögliches zu sein. Unsere Terminkalender sind voll geschrieben und je voller sie sind, desto wichtiger scheinen wir uns zu fühlen. Nur wenn man darauf verweisen kann, beschäftigt zu sein, und zwar eine Beschäftigung zu haben, die auch Geld einbringt, dann scheint man in der Gesellschaft eine wichtige Rolle zu spielen. Zeit wird immer mehr mit dem Erwirtschaften von Geld in Verbindung gebracht, so dass sich die Ökonomisierung unserer Zeit bereits von Kindesalter an als fester Bestandteil in unseren Denk- und Verhaltensmustern festsetzt und als absolute Wahrheit verstanden wird.
Diese Art und Weise, unsere Zeit in monetäre bzw. wirtschaftliche Raster zu drängen, beobachtet man häufig auch im verzweifelten Suchen nach einer bezahlten Sommerbeschäftigung bei Schülern und Studenten. Sofern diese aus eigenem Antrieb zur Arbeit gehen, kann ich diesen Wunsch nachvollziehen, aber sehr häufig werden die jungen Leute von ihren Eltern sozusagen "gezwungen", unmittelbar nach Schulschluss einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen.
Die Botschaft, welche die Eltern an ihre Kinder weitergeben, ist ganz klar: Die Zeit ihrer Kinder ist nur dann wertvoll, wenn sie dafür Geld verdienen. Ihre Leistung wird sozusagen gemessen an der Maßeinheit Geld. Dabei wird sehr häufig vergessen, welch’ großem Druck junge Menschen in der Schule und im Studium das ganze Jahr hindurch ausgesetzt sind; wie viel sie dort leisten müssen, damit sie das Jahr erfolgreich abschließen. Die harte Arbeit, die sie im Laufe des Schuljahres bzw. des akademischen Jahres erbringen müssen, gibt ihnen kaum freie Zeit, sich Dingen zu widmen, die außerhalb ihrer Verpflichtungen liegen.
Kaum kämen sie zur Ruhe und kaum hätten sie Zeit, ihre Zeit mit Dingen zu füllen, die sie ganz frei entscheiden könnten, wird ihnen von außen mitgeteilt, dass sie ihre nun frei gewordene Zeit dafür verwenden sollten, Geld zu verdienen und einer Arbeit nachzugehen, die einträglich ist. Sie erfahren, dass es sich nicht geziemt, mit ihrer Zeit frei umzugehen und sich auch mal einer Phase freier, selbst bestimmter Zeiteinteilung hinzugeben.
Dabei entstehen gerade in solchen Phasen der Ruhe, der freien und entspannten Zeiteinteilung, der Muse, die kreativsten Gedanken. Der Luxus, besonders als junger Mensch, zu erkennen, dass auch die freie Zeitgestaltung für die eigene persönliche und berufliche Entwicklung von immens wichtiger Bedeutung ist, hilft dem jungen Menschen, mit der Zeit anders umzugehen und Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln, die ihm klar machen, dass seine Zeitgestaltung in jedem Fall produktiv ist, unabhängig davon, ob er dafür im Moment Geld verdient oder nicht.
Hätte sich Soichiro Honda nicht Zeit genommen, als junger Mann und Student ohne Entgelt an neuen ausgefeilten Kolbenringen zu tüfteln, um sie dann an Toyota zu verkaufen, wäre er nicht im Stande gewesen, selbst ein Weltunternehmen zu gründen. Als junger Student war es sein Ziel, sein weniges Geld in die Entwicklung dieses Projektes zu investieren, indem er sich die Zeit dafür nahm, weil er von seinem Tun überzeugt war. Nach Jahren der Anstrengungen und der mehrfachen Rückschläge gelang ihm der Durchbruch. Für ihn war die Zeit nicht gleichzeitig die Maßeinheit für Geld, sondern vielmehr die Möglichkeit, seine Ziele zu verfolgen, von denen er felsenfest überzeugt war. Er nahm sich die Zeit, um sich und seine Ideen zu entwickeln, bis er sein Ziel verwirklicht und später dann auch den wirtschaftlichen Erfolg erzielt hatte.
Nehmen wir den jungen Menschen die Sichtweise, dass sie ihre freie Zeit besonders ihren Interessen widmen sollen, nehmen wir ihnen unter Umständen auch ihre Kreativität. Mehr noch, wir vermitteln ihnen damit, dass sie nur dann wertvoll sind, wenn sie eine Arbeit ausüben, die ihnen unmittelbar Geld einbringt.
Ein junger Mensch, der begeistert an etwas arbeitet, lernt sein Potential so einzusetzen, dass daraus etwas entsteht. Vielleicht nicht unmittelbar, aber mit der nötigen Ausdauer und Geduld wird sein Tun Früchte tragen. Wenn er seine Zeit selbst gestalten kann und nicht immer angetrieben und verplant wird, erkennt er, dass das, was er tut, von Bedeutung ist, sofern es ihn zufrieden stellt und glücklich macht.
Um das zu erleben, ist es notwendig, dass man bereits als Kind damit aufwächst, spielerisch mit seiner Zeit umzugehen. Die Zeit als etwas zu erleben, was man selbst gestalten kann und nicht von außen verplant bekommt. Beobachtet man, wie sehr heutzutage vielerorts Eltern ihren Kindern (besonders in der Stadt) ihre Zeit verplanen, dann erkennt man, wie sehr es die Kinder verlernen, mit der wenigen Zeit, die sie haben, produktiv umzugehen. Ihr Tagesablauf ist von 8 Uhr morgens bis am Abend durchgeplant. Schule, außerschulische Kurse und Aktivitäten, Hausaufgaben halten sie den ganzen Tag beschäftigt, bis sie am Abend völlig ausgelaugt und vielleicht auch unzufrieden ins Bett fallen.
Gibt es zu diesen Tagesabläufen keine Alternative, dann wächst das Kind mit dem klaren Hinweis auf, dass sie nur dann "gute" Menschen sind, wenn sie ihre Zeit verplanen und später dann, wenn sie für ihre Zeit Geld verdienen. Der Spruch von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der USA, Zeit sei Geld, scheint in unserer westlichen Gesellschaft, besonders durch die Kapitalisierung unserer Lebensanschauung, an Bedeutung zugenommen zu haben. Die Zeit auf das sofortige Geldverdienen zu reduzieren, ist aber ein Trugschluss, weil dadurch die Menschen dahingehend konditioniert werden, dass alle Tätigkeiten, die im Moment kein Geld einbringen, verwerflich zu sein scheinen.
Wie trocken und traurig wäre unsere Welt, wenn es aber keine Menschen gäbe, die ihre Zeit der Entfaltung ihrer musischen, schauspielerischen, technischen, künstlerischen, sportlichen Talente widmeten, weil sie dafür keine Zeit haben und stattdessen im Hier und Jetzt Geld verdienen müssen?
Zur Entfaltung einer Persönlichkeit braucht es besonders jener Art von Zeit, die sich nicht unbedingt in Geld messen lässt. Daher finde ich es wichtig, dass junge Menschen (wenn es ihnen möglich ist) ihre freie Zeit in ihren Ferien selbst gestalten dürfen. Wenn es ihr Wunsch ist, gegen Entgelt arbeiten gehen zu wollen, weil sie dadurch eine Tätigkeit ausführen können, die sie erlernen möchten, dann ist das völlig in Ordnung.
Ich finde es aber bedenklich, wenn junge Menschen von ihren Eltern dahingehend konditioniert werden, unbedingt einen Sommerjob auszuüben, weil das Geldverdienen wichtiger ist als die Möglichkeit, die Zeit für Dinge zu nutzen, für die während des Schuljahres keine oder nur wenig Zeit ist.
Malen, Musizieren, Bücher lesen, sich mit Freunden treffen, auf Reisen gehen, Sport betreiben, die Natur beobachten, seinen Gedanken nachhängen... sind Beschäftigungen, die mich als Mensch bereichern. Daher stimme ich der Aussage von Jim Rohn zu: "Zeit ist wertvoller als Geld. Du kannst mehr Geld besitzen, aber du kannst nie mehr Zeit haben."
Dr. Martina Holzer Geromin ist Coach und Erziehungsberaterin, Mitbegründerin von www.trans4mind.de und bietet neben Einzelberatungen auch sämtliche Workshops an (siehe www.be-you-unique.com).