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←    Nehmen wir uns für das Zeit, was uns wichtig ist!

Es ist nicht wahr, dass wir wenig Zeit haben; die Wahrheit ist, dass wir viel davon vergeuden. (Seneca)

Viele Menschen, darunter immer mehr Jugendliche und Kinder, scheinen keine Zeit mehr zu haben. Sie hasten von einem Termin zum anderen, bewegen sich wie im Kreise, beginnen ihren Tag in aller Hetze, indem sie sich schnell abwaschen, herrichten, um ja den Zug/Bus nicht zu verpassen und pünktlich zur Arbeitsstelle/in die Schule zu kommen... Ihre Gedanken sind stets auf die Zukunft gerichtet, allerdings auf eine Zukunft, die sie hetzt und ängstlich stimmt. Ihr Wesen ist abgelenkt von dem, was passieren könnte, wenn sie den Anforderungen nicht gewachsen sein könnten, wenn sie zu spät kämen, wenn sie sich nicht ausreichend vorbereitet hätten u.s.w. Das heißt, ihr Leben ist geprägt von Sorgen, Ängsten, Erwartungshaltungen, die sie zu Marionetten werden lassen. Sie agieren nicht mehr frei, sondern unter dem Einfluss von negativen Gedanken, die ihnen das Vertrauen in sich selbst nehmen.

Betrachtet man sein Leben aus dieser Perspektive, dann trifft es tatsächlich zu, dass wir viel zu wenig Zeit haben, weil wir uns immer auf etwas konzentrieren, das uns hetzt, von uns selbst entfernt und uns das Leben wie eine Bürde wahrnehmen lässt. Wir lassen uns ablenken und zerstreuen von Gedanken und Erfahrungen, die uns verunsichern, die uns aus unserer Mitte reißen und die uns von uns selbst und unserer gegenwärtigen Situation entfernen. Der Fokus unserer Gedanken liegt außerhalb von uns, durch unsere negativen Gedanken verursachen wir auch negative Erfahrungen und der Kreislauf nimmt seinen Gang. Der Fokus liegt also auf dem, was daneben gehen könnte; das bedeutet, dass unsere ganze Energie dorthin fließt, womit wir uns gedanklich beschäftigen.

Darin liegt nun aber auch die große Chance: Wenn ich weiß, dass mein Fokus dafür verantwortlich ist, wie sich mein Leben entwickelt, kann ich meinen Fokus von den negativen Gedanken, die mich von mir entfernen, in Richtung positiver Gedanken verlagern. Ich kann meine Prioritäten setzen, indem ich mich zuerst mal frage, wohin ich überhaupt will. Will ich beispielsweise meine Prüfung schaffen, dann liegt mein Fokus darin, alles zu tun, um das Abitur zu schaffen. Der bloße Gedanke allein, das Abitur schaffen zu wollen, ist natürlich nicht ausreichend. Es benötigt meinerseits die bewusste Entscheidung, dafür das Beste zu geben, mich einzusetzen, indem ich jeden Tag strukturiert vorgehe. Diese Struktur, die ich mir selbst zurechtlege, berücksichtigt mein ganzes Wesen, sie berücksichtigt die Arbeitsphasen genauso wie die Pausen, die ich mir bewusst einräume, weil ich weiß, dass mir die eingelegte Pause wieder die Energie bringt, mich erneut mit voller Konzentration und überzeugtem Fokus auf mein Ziel zuzubewegen.

Das bedeutet, dass ich mit dem Faktor Zeit ganz anders umgehe: Ich sehe, dass mich die Zeit nicht unter Strom setzt, sondern dass ICH die Zeit gestalten kann, dass nicht die Zeit mich beherrscht, sondern ich die Zeit in Bezug auf meine Prioritäten einsetzen kann. Die Zeit ist dann nicht mehr zu wenig, sondern die Zeit wird ein Teil meiner persönlichen Gestaltungskunst.

Prioritäten setzen hat also beispielsweise damit zu tun, dass ich den Mut habe zu sagen, für einen nicht angekündigten Besuch oder einen unerwarteten Telefonanruf keine Zeit zu haben, wenn ich gerade mitten in einer Arbeit stecke. Das bedeutet auf nette Art und Weise den Menschen, die mich von meiner Aufgabe ablenken möchten, mitzuteilen, dass ich gerne auf sie zurückkommen werde, sobald ich meine Aufgabe beendet habe. Das bedeutet, nach außen hin ganz klar Grenzen zu setzen und dem Umfeld verständlich zu machen, wo meine Prioritäten liegen. Das Umfeld mag zwar anfangs befremdlich darauf reagieren, wenn ich nicht immer sofort zur Verfügung stehe, aber es wird lernen, mich und meine Arbeitsweise zu respektieren. Es wird erkennen, dass ich durch meine zielgerichtete Vorgangsweise in meinem Leben etwas erreiche, und so kann meine Vorgehensweise auch Spuren hinterlassen und andere Menschen genauso anspornen, an sich zu arbeiten, damit sie aus ihrer Zeit das Beste machen. Dadurch stellen sich Erfolgserlebnisse ein, die mich meinen Zielen näher bringen und die mir Ansporn sind, auch in Momenten von Rückschlägen weiterzumachen und nach vorne zu schauen.

Insofern ist das Zeitmanagement eine Entscheidungsfrage. Auf die Entscheidung, an etwas Bestimmtem bewusst arbeiten zu wollen, folgt das Handeln. Ich tue es und nehme es mir nicht nur vor. Ich tue es sofort, nicht morgen oder übermorgen, ich beginne jetzt, in diesem Augenblick. Darin besteht der große Unterschied zwischen Menschen, die das Gefühl haben, niemals Zeit zu haben und jenen, die die Zeit zu ihrem besten Verbündeten machen. Wenn ich jetzt handle, bewusst, mit Freude und angetrieben von meinem Ziel, dann erlebe ich die Zeit als etwas, was mich mit ihr verschmelzen lässt. Ich komme in den Fluss, weil ich mich mit Dingen auseinandersetze, für die ich mich selbst entschieden habe. Sie machen einen Sinn (für mich persönlich), weil ich mich durch sie ausdrücken kann und mich meinem Ziel nähere. Die investierte Zeit wird nicht als vergeudete Zeit wahrgenommen, sondern als Zeit, die persönliches oder berufliches Wachstum bedeutet. Die Zeit wird also als sehr relativ wahrgenommen: Gehetzte Menschen scheinen zu wenig Zeit zu haben, beschäftigte Menschen, die sich bewusst entscheiden, sich für ihre Ziele einzusetzen, scheinen in den Fluss zu kommen und in ihrer Tätigkeit aufzugehen. Insofern hat der römische Philosoph und Staatsmann Seneca recht, wenn er sagt, dass es nicht wahr sei, dass wir zu wenig Zeit haben, sondern dass wir die Zeit vielmehr vergeudeten. Denn ich kann für mich entscheiden, wie ich mit meiner Zeit umgehe!

Anstatt zu sagen "Ich habe keine Zeit", sage ich "Ich nehme mir die Zeit", dies oder jenes zu tun. Dieser eine Satz macht mich stark, weil ich mich als Mensch wahrnehme, der bewusst entscheidet, sich die Zeit zu nehmen, sich auf eine Prüfung vorzubereiten, mit dem Rauchen aufzuhören, einen Spaziergang zu unternehmen, einen Freund zu treffen, einen Artikel zu schreiben, ein neues Kochrezept auszuprobieren…, weil ich das tun WILL.

Als Walt Disney seinen Traum, "den glücklichsten Ort der Welt" (Disney World) zu schaffen, verwirklichen wollte, musste er viel Zeit in dieses Projekt investieren, denn Banken und Investoren aller Art standen dem Projekt skeptisch gegenüber. Sie glaubten, es mit einem Verrückten zu tun zu haben. Trotzdem glaubte Walt Disney an seinen Traum und arbeitete beharrlich daran weiter, bis er nach 302 Absagen die erste Zusage erhielt, die es ihm erlaubte, seinen Traum zu leben. Er hat seine Zeit weise investiert, nahm sich 302 mal die Zeit, mit Investoren und Menschen zu reden, um sie von seinem Projekt zu überzeugen. Hätte er gesagt, ich habe keine Zeit mehr, mich diesem Projekt zu widmen, ich kann nicht so viel Zeit vergeuden, dann gäbe es heute seine "Traumfabrik" nicht.

Unabhängig davon, wie man zu dieser Traumfabrik persönlich stehen mag, so ist es doch ein sehr überzeugendes Beispiel dafür, dass ein Mensch, der entscheidet, beharrlich und zielgerichtet an seiner Vision zu feilen, seine Zeit nicht vergeudet, sondern sie bewusst richtig investiert, indem er sich die Zeit nimmt und Zeit hat, sich für das, was ihm wichtig ist, einzusetzen.

Mögen wir alle fähig sein, mit unserer Zeit so umzugehen, dass sie uns bereichern möge, indem wir uns für jene Dinge Zeit nehmen, die uns wichtig sind. Dann werden wir die Zeit so wahrnehmen, als verbrächten wir unsere Zeit mit dem Mädchen (einer geliebten Person) im folgenden Zitat von Albert Einstein: "Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität."

Für welche der beiden Varianten entscheiden Sie sich?

 

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